Vom Leibeigenen zum Stadtgründer

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Hamsterbacken
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Re: Vom Leibeigenen zum Stadtgründer

Beitragvon Hamsterbacken » Fr 5. Sep 2014, 14:29

Saloniki hat geschrieben:
Hamsterbacken hat geschrieben:Tolle Geschichte Saloniki :)
Aber könntest du nicht etwas mehr Farbe reinbringen ?
Beispielsweise ein Bild pro Beitrag oder so.

Welche Bilder sollten das sein? Dürfte zum Teil Probleme mit dem Urheberrecht geben, einmal ganz abgesehen davon, dass es unmöglich sein dürfte, ein und die selbe Person in verschiedenen Situationen im Netz zu finden.

Aus dem Spiel beispielsweise ....
Zum Beispiel wenn ein Kunde am Gesindehaus vorbeiläuft machst du einen Screen...dann ist es nicht so grau :)
Bild

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Saloniki
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Re: Vom Leibeigenen zum Stadtgründer

Beitragvon Saloniki » Fr 5. Sep 2014, 14:58

Naja, ein Kunde am Marktstand dürfte realistischer sein. Nichtsdestotrotz funktioniert das mit Bildern aus dem Spiel eher weniger, da es z.B. für die Hochzeit keine gibt. Passend zum jeweiligen Kapitel sollten sie ja schon sein. ;)
Ich kann ja mal den zuständigen Grafiker fragen, ob er mir passende Illustrationen bastelt, aber ich fürchte, dann lässt mich Upjers in die Klappse einweisen :lol:

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Saloniki
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Re: Vom Leibeigenen zum Stadtgründer

Beitragvon Saloniki » Fr 26. Sep 2014, 17:22

Die Trauung war vorüber und vor der Kapelle drängten sich die Gäste, den Neuvermählten zu gratulieren. Ich fand einen Moment Zeit, Marthe über den wirklichen Stand Sorayas aufzuklären und meine Befürchtungen hinsichtlich des wenig angemessenen Umgangstones der letzten Jahre selbiger gegenüber.
Mein Weib konnte diese Bedenken nicht verstehen. "Sie wird wohl kaum davon ausgehen, dass wir hellsehen können", meinte sie, "hätte ihr der Ton nicht gefallen, nun, ich denke, sie hätte ihn sich einfach verbeten. Warum macht ihr Männer nur alles immer so kompliziert? Nun steh hier nicht herum wie Lots Weib, es gilt, die Gäste zu begrüßen und ihre Glückwünsche entgegen zu nehmen."
Da es ihr Stand so gebot, traten wir zuerst auf Soraya und Hans von Bamberg zu. Mit einer tiefen Verbeugung verneigte ich mich vor Beiden. "Prinzessin Soraya, ich bitte, mir mein ungebührliches Betragen..."
Sie gebot mir mit einer Geste Schweigen.
"In den letzten Jahren Eurer Freundschaft habe ich vor allem Eines gelernt, nämlich dass eben selbige um ein Tausendfaches mehr wert ist, als geziemte Anreden oder Respekt, der nur von der Geburt herrührt. Ich habe erlebt, wie selbst der geringste eures Gesindes von seinem wenigen Besitz abgab, um den Mühlingern nach dem Überfall und dem Brand zu helfen. Die Freidorfer dort beim Wiederaufbau mit Hand anlegten, ohne vorher zu fragen, welchen Vorteil sie davon hätten, wie es bei den Fürsten üblich ist. Ein Titel macht noch keinen guten Menschen, oft eher das Gegenteil. Glaub mir, ich werde froh sein, wenn ich nach all den Förmlichkeiten bei Hofe, hier wieder Menschen treffen kann, die mir nicht scheinheilig den Hof machen, weil sie es eben müssen, sondern sicher sein kann, dass sie auch meinen, was sie sagen."
Marthe zupfte mich am Ärmel, "dort hinten, zwischen dem Gesinde, steht da nicht Enki?"
War er also doch erschienen, aber warum versteckte er sich zwischen Knechten und Mägden? "Oh Enki, was bist du doch mitunter für ein Kindskopf" murmelte ich vor mich hin und ging, ihn zu holen.

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Re: Vom Leibeigenen zum Stadtgründer

Beitragvon Saloniki » Sa 27. Sep 2014, 01:37

"Also zum melken bist du entweder zu spät oder zu früh, mal ganz abgesehen davon, dass die Kühe ob deiner Gewandung Reissaus nehmen würden." Ich grinste den Spielmann an, der vergeblich versuchte, sich hinter einigen Knechten zu verbergen. "Du kannst also ebenso gut dem jungen Paar gratulieren und mit uns feiern. Dachtest du etwa, ich reisse dir den Kopf herunter? Annalena ist nicht Salome, ich bezweifle, dass ihr ein derartiges Hochzeitsgeschenk Freude bereiten würde, von der Schweinerei, die eine solche Aktion hervorrufen würde, gar nicht zu reden."
Enki sah mich verlegen an. "Nun ich dachte...., ich meinte...., was ich eigentlich sagen will...ähm."
"Nun, das erzählst du mir besser später, die Gäste haben Hunger und irgendwann wollen die jungen Leute ins Brautbett, wenn du verstehst, was ich meine."
"Vermutlich," meinte er und grinste vielsagend.

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Re: Vom Leibeigenen zum Stadtgründer

Beitragvon Saloniki » Sa 27. Sep 2014, 02:09

Zum Festmahl kamen wir trotzdem noch nicht. Als ich mit Enki bei der Hochzeitsgesellschaft eintraf, wartete dort ein großer Leiterwagen, der mit gepolsterten Sitzen ausgestattet und mit vier festlich geschmückten Pferden bespannt war.
"Meine Hochzeitsgabe konnte ich leider nicht nach Freidorf bringen, so gestattet mit, Euch dorthin zu führen", sprach Hans von Bamberg und half den Damen galant auf das Fuhrwerk.
Was hatte dies nun wieder zu bedeuten? Soraya aber lächelte mit beruhigend zu.
Vor dem Jagdhaus des Bambergers ließ dieser anhalten und wandte sich an Annalena und Alexander. Er überreichte ihnen ein versiegeltes Pergament. "Ich bedarf dieser Hütte nicht mehr, da ich auf dem Gut meiner zukünftigen Gemahlin weilen werde, sollte ich in der Gegend sein. Ihr aber werdet sicher das Bedürfnis haben, Eure Eltern hier zu besuchen und, spätestens wenn sich Nachwuchs eingestellt hat, dürfte deren Haus zu eng werden. So übereigne ich Euch mit diesem Schriftstück das Jagdhaus zu Eurer Verwendung. Um die Fasane und zahmen Hirsche wird sich mein Aufseher kümmern, so dass ihr Euch einfach an ihnen erfreuen könnt. Dort drüben," er wies auf eine Baustelle, "wird demnächst Jaques einziehen, ein Trüffelsammler aus der Normandie."
Wir waren sprachlos ob dieser großzügigen Gabe, aber was war ein Trüffelsammler? Soraya, die unsere Verwirrtheit bemerkte, gab uns Bescheid. "Trüffel sind kostbare Pilze, die unterhalb der Erdoberfäche wachsen. Man benutzt abgerichtete Schweine, um sie zu finden. Offenbar ist dieser Franzose sicher, auch hier solche Vorkommen zu finden."
Nachdem das Brautpaar seinem Dank über das Geschenk gebührend Ausdruck verliehen hatte, begaben wir uns nach Freidorf zurück, wo wir schon ungeduldig erwartet wurden.

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Re: Vom Leibeigenen zum Stadtgründer

Beitragvon Saloniki » So 28. Sep 2014, 01:42

Nach dem Mahl wurde zum Tanz aufgespielt. Nachdem Enki einige Zeit mit sichtlich gequälter Miene zugehört hatte, hielt es ihn nicht länger auf seinem Platz. Er schnappte sich kurzerhand Fidel und Bogen von dem verblüfften Burschen, dem beides eigentlich gehörte, und begann zu spielen.
Sein Gesicht entspannte sich immer mehr, bis ein leises Lächeln seine Lippen umspielte. Der Graf war vergessen, es gab nur noch den Spielmann, der ganz in seiner Musik aufging.
"Man hätte ihn niemals zum Freiherrn machen dürfen," meinte Hans von Bamberg nachdenklich, "es tut nicht gut, einen Menschen seiner natürlichen Bestimmung zu entfremden. Er ist kein Herrscher und wird niemals einer sein, nicht einmal über ein kleines Dorf wie Mühlingen. Aber er ist der beste Musikant, den ich je gehört habe. In seinem Spiel liegt seine ganze Seele."
"Armer Freund" dachte ich, "wenngleich du mir fehlen würdest, doch für dich wäre es am besten, du ließest Mühlingen hinter dir und suchtest weitab von hier deine Freiheit. Dort wirst du nie glücklich sein. Roswitha und Ottmar würden es verstehen" Und doch wünschte ich mir inständig, er möge bleiben.
Ach verflixt mit den trüben Gedanken, ich sollte mich lieber um die Gäste kümmern und wenn ich nicht bald Marthe zum Tanz aufforderte, würde ich später wenig zu lachen haben.

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Re: Vom Leibeigenen zum Stadtgründer

Beitragvon Saloniki » Mo 29. Sep 2014, 00:01

Annalena hatte sich zurückgezogen. Als ihr Alexander kurze Zeit später folgte, begleiteten ihn die anzüglichen Bemerkungen und Ratschläge der jungen Burschen, wie es der Brauch war.
Auch waren die meisten Frauen nach Hause gegangen, hatten sie doch ihre Kinder und den Haushalt zu versorgen.
Die Männer und ein Großteil des Gesindes feierte, bis die Kühe lautstark kundtaten, dass es Zeit sei, das Tagwerk zu beginnen.
Lachend wandte ich mich an Enki. "Nun, wie sieht es aus, soll ich dir einen Melkschemel besorgen?"
"Lieber nicht Herr, er geht womöglich den Ochsen noch ans Gemächt," kicherte ein junges Weib. Prompt fing sie sich von der Großmagd eine Maulschelle ein. "Es ziemt sich nicht solche Reden zu führen, du vorlautes Geschöpf. Sieh zu, dass du an die Arbeit kommst."
"Naja, so ganz unrecht hat die Kleine ja nicht," flüsterte der Spielmann mir zu, "ich bezweifle, dass ich einen Ochsen noch von einer Kuh unterscheiden kann. Dein Roggenbier ist aber auch gar zu gut."
Ich schlug ihm lachend auf die Schulter. "Ich glaube, ein bisschen Schlaf tut uns beiden gut, bis zum Frühmahl sind es noch ein paar Stunden."

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Re: Vom Leibeigenen zum Stadtgründer

Beitragvon Saloniki » Mo 29. Sep 2014, 23:09

Ambrosius hatte den Sonntagsgottesdienst eine Stunde später als üblich anberaumt. Auch hielt er die Predigt so kurz, wie irgend möglich. Mit aufmerksamen Zuhörern war ohnehin nicht zu rechnen und er selbst wirkte auch noch recht verschlafen.
Die Mehrzahl des Gesindes verschwand anschließend in seinen Kammern, zu müde, um zu essen. Für sie würde später eine Mahlzeit bereit stehen, es war Sonntag und ausser dem Vieh nichts zu versorgen.
Die Mütter der Neuvermählten hatten dem Geistlichen das blutbefleckte Bettlaken vorgewiesen zum Beweis, dass die Ehe vollzogen und somit gültig war. Zumindest hatte man die zweifelhafte Sitte abgeschafft, wonach der erste Beischlaf unter Zeugen stattzufinden hatte. Die meisten Kirchenmänner nahmen ihre Kontrollpflicht diskret und ohne weitere Zeugen vor.
Später wurde die Habe des jungen Paares verladen. Der Fuhrmann wollte sich noch heute auf den Weg ins ferne München machen. Die jungen Leute und Alexanders Eltern sollten am nächsten Tag folgen. Walter würde sie bis nach Bamberg begleiten.
Annalena hatte, wie es sich für eine verheiratete Frau ziemte, ihr Haar mit einer Haube bedeckt. Ein ungewohnter Anblick, doch ihr Gesicht strahlte. Sie hatte sich mit Alexander aufgemacht, um sich von den Freunden zu verabschieden, die sie so bald nicht wiedersehen würden.
Die Kutsche war hinter der Wegbiegung verschwunden und Annalenas Geschwister, bis auf Ruben, auf dem Weg nach Hause. Dieser stand wie angewurzelt und starrte immer noch mit einem merkwürdigen Gesichtsausdruck dem Gefährt hinterher.
"Was ist los mit dir?" fragte ich ihn. "Ich weiss nicht, wie ich es sagen soll, es ist, als wäre ein Teil von mir gegangen. Versteh mich nicht falsch, ich liebe alle meine Geschwister und Walter fehlt mir auch oft. Ein großer Bruder ist halt doch etwas anderes als der Vater." Verlegen sah er mich an. "Aber Annalena, irgendwie war sie immer ein Stück von mir." "Das ist nicht ungewöhnlich bei Zwillingen, sie haben oft eine besondere Beziehung zueinander," meinte Marthe, "vielleicht, weil sie neun Monate zusammen im Leib der Mutter verbracht haben. Doch du musst sie gehen lassen, so, wie wir Eltern es müssen, leicht ist es nicht, aber sie ist glücklich und das muss uns Trost und auch Freude sein."
Ruben nickte stumm und machte sich auf den Weg zum Haus.

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Re: Vom Leibeigenen zum Stadtgründer

Beitragvon Saloniki » Di 30. Sep 2014, 22:51

"Er wird darüber hinwegkommen." Marthe schüttelte den Kopf, "Nein, aber er wird lernen, mit dem Verlust zu leben. In einigen Jahren, wenn er selbst alt genug ist, ein Weib zu freien, wird es besser sein. Trotzdem wird Annalena immer ein Teil von ihm bleiben, so wie er für sie."
"Ach verflixt," ich schlug mir mit der Hand vor die Stirn, "nun habe ich ganz vergessen, Enki nach diesen merkwürdigen Pilzen zu fragen. Möglicherweise hat er schon davon gehört." Doch der Spielmann hatte sich schon am Vortag auf den Weg nach Mühlingen begeben, wohin Ruben im Laufe des Tages Roswitha und Ottmar mit der Kutsche bringen würde.
Kurz vor Einbruch der Dunkelheit kehrte er zurück. "Irgendetwas ist da merkwürdig, der Bachentaler ist noch nicht wieder zurückgekehrt," meinte er. "Nun, wer weiss, vielleicht hat er unterwegs seinen Halbbruder getroffen und ist mit diesem unterwegs." Ich machte mir da keine großen Gedanken, sprunghaft war Enki schließlich, seit ich ihn kannte.

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Re: Vom Leibeigenen zum Stadtgründer

Beitragvon Saloniki » Mi 8. Okt 2014, 00:36

Es ging allmählich auf den Winter zu. Die Bäume waren kahl, die Nächte kalt und morgens lag Raureif auf den Wiesen. Auf den Feldern gab es nichts mehr zu tun, lediglich das Vieh wollte versorgt werden.
Von Annalena und Alexander war ein Brief eingetroffen. Sie waren gut in München angekommen und meine Tochter schien sich schon etwas eingelebt zu haben und glücklich zu sein.
Ich nahm mir die Zeichnung vor, die mein Eidam zum Bau dieser Schneeschuhe angefertigt hatte. Zeit genug hatte ich, um mich daran zu versuchen. Nützlich wären sie allemal, sollte der Winter wieder so schneereich werden, wie der letzte. Nur, wie bekam ich die Weidenruten für das Gerüst rund, ohne das sie brachen? Einen Korbflechter gab es in Freidorf nicht, aber vielleicht wusste Paul Rat.

Enki war wohl immer noch unterwegs, zumindest berichteten Fuhrleute, dass er bislang in Mühlingen nicht gesehen wurde. War er seiner eigentlichen Berufung gefolgt und hatte den Freiherrn Freiherr sein lassen? Glücklicher wäre er so mit Sicherheit und trotzdem, Mühlingen ohne Enki? Ein merkwürdiges Gefühl, welches irgendwo weh tat, kannte ich ihn doch schon so viele Jahre. Oft waren wir nicht einer Meinung, fanden aber immer einen Weg, uns gegenseitig in unsrer Andersartigkeit zu respektieren. "Alter Freund und Weggefährte, wo immer du auch sein magst, bist du zufrieden, so will ich es auch sein."